Der Zug war mit Faulmann (oder Faulmann mit dem Zug) schon auf dem Rückweg, dieser leicht ermüdete Zustand zwischen Ankommen und Noch-nicht-zu-Hause. Faulmann saß am Fenster, der Rucksack sicher verstaut, den ganzen Wagen für sich. Einer dieser Abende, an denen fast niemand sonst noch fährt. Es gibt vielleicht 2-3 dieser Abende im Jahr, und jedes Mal wirken sie wie ein kleines Versehen im Fahrplan der Welt.

Draußen zogen Bahnsteige vorbei wie halbfertige Gedanken.

Auf den Ohren lief so eine Art kennst du schon Playlist. Nichts Dramatisches. Eher Musik als Geländer, damit die eigenen Gedanken nicht so leicht von der Treppe fallen. Und dann begann eines der Lieder sich einzumischen. Nicht laut, nicht sofort. Erst wie ein Tonfall, der anders ist als der Rest, dann wie ein Satz, der nicht nur vorbei will.

Paula Carolina, Darf sie das.

Faulmann merkte schnell, warum etwas blieb. Resonanz. Denn der Bär mag sowas. Er lässt sich gern von Dingen erzählen, die es gar nicht gibt. Von Zuständen, die noch nicht beschlossen wurden. Von Welten, die für drei Minuten so tun, als hätten sie einen anderen Grundriss. Und wenn das dann auch noch auf einem fetzigen Beat passiert, umso besser. Der Wald ist nicht gegen Tanzbarkeit. Im Gegenteil, er ist gegen falschen Ernst und liebt es, wenn man seine Tatzen freudig mitwackeln lässt.

Die Utopie kam ohne Tarnung. Bezahlbare Wohnungen, kein Hass, kein Erklärenmüssen. Menschen, die morgens aufwachen, ohne schon müde zu sein von der Welt. Das alles nicht als Forderung, sondern als freche Behauptung. Als würde jemand sagen: Stell dir vor, das hier wäre normal. Nur kurz.

Der Refrain übertrieb so sehr, dass er sich schon wieder ehrlich macht. Dieses grelle Glück, bei dem man automatisch misstrauisch wird. Und sofort stellte sich die Frage, die sich immer stellt, wenn jemand zu sichtbar Freude hat: Darf sie das?

Der Wald kennt diese Frage gut. Er hört sie oft. Meist leise, meist mit gesenktem Blick. Aber hier kam die Antwort ohne Begründung. Ja. Ich habe Spaß. Punkt. Keine Fußnote, kein Anhang.

Faulmann lehnte den Kopf ans Fenster. Der Wagen war still, die Schienen machten ihr endloses Ja-ja-ja, und draußen flackerte Nacht über Industrie und Felder. Der Song machte die Welt nicht besser. Aber er zeigte, dass sie für einen Moment anders klingen kann.

Für Paula Carolina jedenfalls Tatzen hoch: eine Künstlerin, die sicher krass weiß, wie man ausgibt, du, da fällt dir nix mehr ein!

Der Wald hat das gehört.

Und er hat genickt.