Zwölf Balken. Sieben Männer. Ein Ofen.

    2026-10-19 00:00:00 +0200

    Die Karrenspur

    Die schweren Karren haben Lehm, Holzspäne und tiefe Spuren in den Straßen der Colonia hinterlassen.

    Zunächst war das Folgen einfach. Im feuchten Lehm neben der Herberge waren die beiden Rillen so deutlich, als hätte jemand sie für Mummrich gezogen. Die Spur des zweiten Karrens war tiefer. An den Stellen, an denen seine Räder eingesunken waren, hatte sich das Wasser aus der Rinne in schmalen dunklen Bögen gesammelt.

    Mummrich ging voraus. Crispus folgte dicht hinter ihm und hielt die Menschen am Rand des Weges. Die anderen kamen in einigem Abstand. Marcellus versuchte gleichzeitig zu gehen, die Umgebung zu beobachten und auf seine Wachstafel zu schreiben. Gelegentlich gelang ihm eines davon.

    An der ersten Querstraße verschwand der Lehm unter festem Pflaster. Mummrich blieb stehen.

    Vor einem Haus schüttete eine Frau einen Eimer Wasser in die Rinne. Es lief am Straßenrand entlang und nahm Staub, Gemüseblätter und eine einzelne Feder mit.

    “Zwei Karren mit langen Balken?”, fragte Crispus.

    Die Frau stellte den Eimer ab und zeigte nach Süden. “Vor einer Weile. Man hörte sie schon an der Ecke.”

    “Sind sie dort abgebogen?”

    “Sie fuhren in Richtung Amphitheater.”

    Marcellus ritzte es in das Wachs. Mummrich sah der Rinne nach. Wo das Wasser die nächste Straße erreichte, hatte es sich um zwei flache Vertiefungen geteilt.

    “Dort”, sagte er.

    Sie gingen weiter. Die Karrenspuren erschienen, verschwanden auf den Steinplatten und tauchten in den unbefestigten Randstreifen wieder auf. Manchmal fand Mummrich einen hellen Span. Einmal zeigte sich an einer Hausecke eine frische Schramme, ungefähr auf der Höhe eines zu weit überstehenden Balkens.

    “Langsam gefahren”, sagte Crispus.

    “Und schlecht um die Ecke gekommen”, sagte Mummrich.

    “Zwölf Balken auf zwei Wagen. Das war nicht für enge Straßen gedacht.”

    Mummrich strich mit einem Finger über die Schramme. “Aber sie sind hindurchgekommen.”

    Die Straße wurde breiter. Aus den Werkstätten kamen Hammerschläge, das Schaben einer Säge und der Geruch nach erhitztem Metall. An einer großen gepflasterten Kreuzung verlor sich die Spur vollständig.

    Ein Lastträger erinnerte sich an die Balken, weil er mit seinem Korb hatte warten müssen. Ein Junge hatte zwei Karren gesehen. Der Mann an einem Getränkestand hatte nur einen gesehen, dafür aber einen mit Holz. Alle zeigten zum Amphitheater.

    Von weiter südlich trug der Wind ein vielstimmiges Rufen herüber. Es kam nicht von einer Gefahr. Es klang eher nach Menschen, die erwarteten, dass jemand anderes für sie etwas Gefährliches tat.

    Marcellus blickte von seiner Tafel auf. “Am Nachmittag beginnen die Gladiatorenkämpfe.”

    Vor ihnen erschienen die Außenmauern des Amphitheaters. Menschen strömten zu den Eingängen. Händler trugen Körbe mit Brot, Nüssen und kleinen Tonbechern heran. Ein Mann hatte ein Gestell mit Sitzpolstern auf dem Rücken. Zwei Jungen liefen mit bemalten Tafeln zwischen den Wartenden hindurch und nannten Namen, von denen mindestens einer auf der Tafel anders geschrieben stand.

    An einem Seitentor stand ein Wagen mit Brennholz und einer großen gewölbten Haube aus gebranntem Ton.

    Crispus beschleunigte seinen Schritt. Mummrich blieb kurz stehen, sah auf den harten Boden unter seinen Füßen und folgte dann.

    Das Amphitheater

    Mummrich und die anderen stehen am Seitentor des Amphitheaters vor dem falschen Ofenwagen.

    Der Wagen stand quer vor dem Tor. Unter der Tonhaube lag eine Platte aus hellem Stein; daneben waren ein Kohlenbecken, zwei Säcke und mehrere Töpfe festgebunden. Ein Händler und sein Gehilfe versuchten, die Räder mit Holzkeilen so zu unterlegen, dass der Aufbau waagerecht stand.

    Crispus trat zu ihnen. “Kam dieser Wagen von den Herbergshäusern?”

    “Das Brennholz kam von dort”, sagte der Händler. “Warum?”

    “Wir suchen zwei Karren mit zwölf Eichenbalken.”

    Der Händler sah auf seine dünnen Scheite und dann auf die gewölbte Haube.

    “Nun”, sagte Crispus. “Einen Wagen haben wir gefunden. Nur einen ganz anderen.”

    Liora deutete auf die Tonhaube. “Ihr backt auf einem Wagen?”

    “Wir heizen den Stein unter der Haube, ziehen die Glut zur Seite und schieben Teigfladen hinein”, sagte der Händler. “Öl, Käse, Kräuter darauf. Was gerade da ist.”

    Faulmann betrachtete den Aufbau. “Ein Ofen, der zu den Hungrigen fährt.”

    “Wenn die Hungrigen nicht vorher in der Arena verschwinden”, sagte der Händler.

    Hinter ihm schwoll das Rufen an. Jemand schlug dreimal gegen eine Metallplatte. Die ersten Besucher drängten durch das Tor, ohne den Ofen eines Blickes zu würdigen.

    Crispus sah die Straße zurück. “Dann sind unsere beiden vorher abgebogen.”

    Mummrich sah zurück zur Straße. “Wir müssen zur letzten weichen Stelle zurück.”

    Crispus wandte sich bereits um. “Geht voraus, Meister.”

    Sie ließen das Amphitheater hinter sich. Der Händler rief ihnen nach, dass die ersten Fladen bald fertig seien. Faulmann sah noch einmal zurück, ging aber weiter.

    Auf dem Rückweg wirkten die Aussagen weniger eindeutig. Der Lastträger hatte Balken gesehen, aber nicht, wohin sie gefahren waren. Der Mann am Getränkestand hatte Holz auf einem Wagen gesehen. Es war Brennholz gewesen. Der Junge hatte zwei schwere Karren gesehen, bevor die Straße zum Amphitheater abzweigte.

    Sicher war nur ihre Richtung bis zur Abzweigung. Dahinter hatte sich Beobachtung in Vermutung verwandelt.

    An der letzten Kreuzung kniete Mummrich wieder am Rand der Rinne. Das Wasser war inzwischen weitergelaufen und hatte den Lehm geglättet. Crispus stellte sich so, dass sein Schatten auf die Stelle fiel.

    “Hier kamen drei Wagen vorbei”, sagte Mummrich.

    Er zeigte auf die beiden flacheren Rillen, die geradeaus verliefen. “Der Ofenwagen.”

    Dann folgte er mit dem Finger einer breiteren Vertiefung. Sie setzte etwas weiter außen an und bog in eine schmalere Querstraße ein. Daneben lag eine zweite, weniger tiefe Spur. In der Kurve hatte sich ein Rad bis an den steinernen Rand der Rinne geschoben. Ein heller Span klebte im feuchten Schmutz.

    Crispus ging in die Hocke. “Der hintere wieder schwerer.”

    Mummrich nickte.

    “Beide?”, fragte Liora.

    “Beide”, sagten Crispus und Mummrich gleichzeitig.

    Sie sahen einander kurz an. Mummrich deutete in die Querstraße. “Dort entlang.”

    Der Weg führte vom Amphitheater fort. Zwischen den Häusern wurde das Rufen der Zuschauer leiser. Die Spuren kreuzten zwei weitere Straßen und verliefen dann auf die Großen Thermen zu. Über den Dächern erschien der obere Rand ihrer Umfassungsmauer.

    Auf dem breiten Platz vor der Anlage hielten die Wagen sich nicht zum Haupteingang. Ihre Spuren führten an der langen Front der Thermen vorbei und verschwanden hinter dem Gebäudekomplex.

    Mummrich folgte ihnen. Crispus ging an seiner Seite und ließ ihn führen.

    Die Wasserleitung

    Hinter den Thermen bogen die Spuren in eine schmale Gasse ein, die an der äußeren Mauer der Anlage entlangführte. Der Boden war nicht gepflastert. In regelmäßigen Abständen lagen breite Steinplatten darin, Staub hatte sich in ihren Fugen gesammelt.

    Liora betrachtete die Reihe der Platten. “Ich dachte, das Wasser kommt von der anderen Seite in die Thermen.”

    “In den Speicher, ja”, sagte Marcellus. Er deutete mit dem Griffel auf die nächste Platte. “Hier sind wir bereits hinter dem Verteiler. Diese Leitung führt wieder in die Stadt.”

    “Auch zu den kleinen Thermen?”

    “Auch dorthin.”

    Die beiden Karrenspuren verliefen neben den Platten.

    Mummrich ging langsamer als zuvor. Der Boden war hier fester, doch die schweren Räder hatten an jeder weichen Stelle dunkle Ränder hinterlassen. In einem Abdruck zeigte er Crispus eine kurze gerade Kante, die das Rund der Radspur unterbrach.

    “Das linke Rad des hinteren Wagens”, sagte er. “Die Felge ist dort ausgebessert. Der Abdruck begleitet uns seit der Herberge.”

    Einige Schritte weiter blieb Crispus stehen und zeigte auf dasselbe Muster. “Wieder der hintere.”

    Mummrich nickte. “Und noch immer schwerer.”

    Eine breite Deckplatte war aus ihrer Fassung gehoben und an die Thermenmauer gelehnt worden. Jemand hatte den Kanal hier kontrolliert, ohne ihn aufzubrechen.

    Crispus sah hinein. Unter ihnen lief das Wasser noch kräftig durch die gemauerte Leitung. Es war im Schatten fast schwarz, bewegte sich aber schnell genug, dass kleine Lichtpunkte an der Mauer entlangwanderten.

    “Dann ist es durch den Speicher und den Verteiler gekommen”, sagte Dachsbert.

    “Bis hierher”, sagte Mummrich.

    Er kniete neben der Kontrollöffnung und prüfte den Mörtel am Rand. Das Mauerwerk war unbeschädigt. Unter den nächsten Steinplatten führte die geschlossene Leitung weiter an der Thermenmauer entlang.

    “Der Bruch liegt weiter vorn”, sagte Crispus. “Dort verliert die Leitung ihr Wasser.”

    Marcellus betrachtete die Strecke bis zum Seitentor. “Unter dem Wirtschaftshof kreuzt ein alter Entwässerungsgang. Wenn der Boden der Leitung dort abgesackt ist, läuft das Wasser nach unten ab.”

    “Und in den kleinen Thermen bleibt nur das Rinnsal”, sagte Crispus.

    “Secundus hatte den Abschnitt bereits eingegrenzt”, sagte Mummrich.

    Mummrich stand auf und ging weiter. Jenseits der angehobenen Deckplatte wurden die Karrenspuren deutlicher. Zwischen den Rillen lagen die Abdrücke mehrerer Männer. An einer Stelle hatten sie alle geschoben; der Lehm war hinter ihren Sohlen aufgeworfen.

    Am Ende der Gasse stand ein Seitentor der Thermen offen. Dahinter lag der Wirtschaftshof ungewöhnlich still.

    Crispus beschleunigte seinen Schritt. Mummrich blieb bei den Spuren. Sie führten durch das Tor.

    Die Großen Thermen

    Die beiden Karren standen im Wirtschaftshof hinter dem Seitentor. Auf jedem lagen noch drei der langen Eichenbalken. Die sechs übrigen waren nicht zu sehen. Dort endeten die Spuren.

    Nahe der Mitte des Hofes stand der alte Wartungszugang zum Entwässerungsgang offen. Seine schwere Abdeckplatte war zur Seite geschoben worden. Eine schmale, ausgetretene Steintreppe führte hinab; das Mauerwerk des Zugangs war unbeschädigt. Daneben standen Schaufeln, Körbe und zwei erloschene Lampen.

    Secundus und seine Leute hatten den vorhandenen Zugang benutzt, um die abgesackte Wasserleitung an ihrer Kreuzung mit dem tiefer liegenden Gang von unten abzustützen.

    Crispus nahm eine der Lampen, ließ sie neu entzünden und stieg hinab. Mummrich folgte ihm. Faulmann blieb dicht hinter ihnen.

    Am Fuß der Treppe stand der erste Rahmen aus drei der abgeladenen Balken. Dahinter war der Gang breit genug, um gebückt darin zu gehen. Das Wasser aus der beschädigten Leitung lief breit über den Boden.

    Nach beinahe hundert Fuß endete der Lichtschein an Erde, Ziegeln und gebrochenen Steinen. Zwischen dem Schutt lagen die Balken des zweiten Rahmens. Über ihnen drang Wasser aus dem beschädigten Gewölbe und suchte sich zwischen den Steinen seinen Weg. Für Menschen war der Gang vollständig versperrt.

    Crispus trat näher. Mummrich hielt ihn mit einer Pfote zurück. “Vorsicht. Und Ruhe im Gang!”, rief Mummrich.

    Seine Stimme lief zwischen den gemauerten Wänden bis zur Treppe. Oben wiederholte jemand: “Ruhe im Hof!”

    Hinter ihnen verstummten die Stimmen. Crispus hob die Lampe. Faulmann atmete so leise, wie ein Bär in einem engen gemauerten Gang atmen konnte.

    Mummrich schloss die Augen. Eine Pfote legte er an die Wand, die andere auf den Boden.

    Zunächst war nur das Wasser zu hören. Dann kam aus dem Schutt ein dumpfer Schlag. Nach einer Pause folgte ein zweiter. Dann ein dritter. Darunter, kaum mehr als Atem zwischen den Steinen, glaubte Mummrich Stimmen zu hören.

    Mummrich nahm einen losen Stein und klopfte dreimal gegen die Wand. Die Antwort kam schneller.

    “Sie sind dahinter”, sagte er. “Einige Meter.”

    Crispus ging in die Hocke und betrachtete den Einsturz. Der zweite Rahmen war seitlich weggeknickt. Mit ihm waren ein Teil des Gewölbes und der angrenzenden Wand eingebrochen. Das Wasser lief durch den Schutt weiter in den alten Entwässerungsgang.

    Crispus stand auf. “Zuerst sperren wir das Wasser. Dann holen wir sie heraus.”

    Im Hof zeigte ein dazugeeilter Thermenarbeiter zum Gebäude. “Der Schieber am Verteiler.”

    “Schließt nur diesen Strang”, sagte Crispus. “Nicht den Zulauf zum Speicher.”

    Der Mann lief mit zwei anderen davon. Crispus wandte sich an Marcellus.

    “Holt meine Leute vom Hafen. Außerdem Seile, Rollenblöcke, Hebelstangen und Schaufeln.”

    Dachsbert ergänzte: “Und Cassianus mit seinen Gesellen. Den Schmied ebenfalls.”

    Marcellus steckte die Wachstafel in den Gürtel. “Wen zuerst?”

    “Wer zuerst kommt, hilft zuerst”, sagte Crispus.

    Marcellus schickte zwei Laufburschen los und lief mit einem dritten selbst zur Straße.

    Liora hielt einen Badediener zurück. “Lampen, Tücher und Wasser zum Trinken. Dann öffnet das große Tor, damit die Hilfe den Weg sofort findet.”

    Im Gang wurde das Rauschen schwächer. Der Schieber war geschlossen.

    Gastfreundschaft mit Reichweite

    Während Crispus die Rettung vorbereitete, verbreitete sich die Nachricht von den verschütteten Arbeitern in der Colonia. Noch bevor die Legionäre vom Hafen eintrafen, standen Körbe mit Brot und Obst, Krüge mit Wasser und zusammengerollte Tücher bereit. Immer mehr Handlanger kamen, um ihre Arbeitskraft anzubieten.

    Die Händlerin, die unter der Portikus ihren Stand hatte, kam mit zwei Laufburschen in den Hof. Sie stellte ihren Korb an die Mauer, sah einmal zum geöffneten Zugang und einmal zum Tor.

    “Brot und Obst dorthin. Die Tücher daneben, aber nicht auf den nassen Boden”, sagte sie. “Du läufst zur Brotfrau. Du zur Garküche. Sagt ihnen, sie sollen schicken, was sich aus der Hand essen lässt. Und bringt auf dem Rückweg jeden mit, der einen Korb tragen kann.”

    Die Laufburschen liefen.

    Ein Mann kam mit zwei Wasserkrügen durch das Tor. Die Händlerin nahm ihm einen ab und zeigte zur Mauer. “Volle Krüge hier. Leere zurück auf die Straße. Sonst stolpert gleich jemand darüber.”

    Nach wenigen Augenblicken wusste jeder, der den Hof betrat, wohin er mit Brot, Wasser, Tüchern oder einer freien Hand gehen sollte.

    Liora beobachtete die Händlerin.

    Ein Thermenbediensteter blieb mit einem Korb vor ihr stehen. “Wer hat Euch eigentlich zur Oberaufseherin gemacht, dass Ihr hier alle herumkommandiert?”

    “Fragt mich später”, sagte die Händlerin. “Jetzt gehört der Korb zu den Tüchern.”

    Liora ging zu Dachsbert. “Du erfindest doch Ämter”, sagte sie.

    “Nur, soweit sie benötigt werden.”

    Liora deutete mit dem Kinn zur Händlerin und flüsterte Dachsbert etwas ins Ohr.

    Dachsbert beobachtete, wie ein weiterer Helfer mit einem Krug durch das Tor kam, von der Händlerin zur richtigen Mauer geschickt wurde und im Vorbeigehen einen leeren Korb mitnahm.

    Dann trat er zu ihr. “Ich höre, Ihr kommandiert hier herum.”

    Der Thermenbedienstete grinste breit.

    Die Händlerin richtete sich auf. “Die Krüge standen im Weg, die Tücher lagen im Nassen, und die Körbe kamen überall und nirgends an. Ich wollte nur—”

    “Ihr missversteht mich”, sagte Dachsbert. Er wartete, bis auch der Thermenbedienstete nicht mehr grinste.

    “Kraft meines Amtes als Inspektor der Provinz, im Namen der Colonia und unter dem Schutz des Geschlechts der Melesbertier ernenne ich Euch hiermit zur städtischen Oberaufseherin für Nothilfe und Gastfreundschaft.”

    Marcellus war inzwischen von der Straße zurückgekehrt. Als er gerade einen weiteren Laufburschen losschicken wollte, zog er die Wachstafel wieder aus dem Gürtel und schrieb es auf.

    Die Händlerin sah Dachsbert einen Augenblick verblüfft an. Dann wandte sie sich wieder dem Thermenbediensteten zu. “Der Korb kommt zu den Tüchern.”

    Er trug ihn zur Mauer.

    “Du hast sie gerade in die Klientel deines Hauses aufgenommen”, sagte Liora.

    Dachsbert sah zu Marcellus. Der nickte und schrieb weiter.

    “Gilt das Amt nur für heute?”, fragte die Händlerin.

    “Ich habe keine Befristung genannt”, sagte Dachsbert.

    Die Händlerin nickte ebenfalls. “Und die Stadt ersetzt mir die Auslagen.”

    Marcellus sah wieder zu Dachsbert.

    “Schreibt auch das auf”, sagte Dachsbert.

    Die neue Oberaufseherin der Colonia stellte sich neben Liora an das Tor und nahm die nächsten Lieferungen entgegen.

    Schließlich rumpelte auch der Ofenwagen vom Amphitheater durch das große Tor. Der Händler führte das Zugtier, sein Gehilfe hielt beide Hände auf die Tonhaube.

    “Die Zuschauer sind hinter den Toren verschwunden”, sagte der Händler. “Aber hier werden die Leute noch eine Weile Hunger haben.”

    Die Oberaufseherin wies ihm einen Platz an der Hofmauer zu, weit genug vom Zugang und von den Tüchern entfernt. “Dort. Und jeder, der arbeitet, bekommt etwas.”

    Der Händler sah sie an. Dann sah er zu Dachsbert.

    “Sie hat das Amt”, sagte Dachsbert. Der Händler stellte den Wagen ab.

    Crispus und Faulmann kamen in den Hof zurück. Mummrich blieb mit der Lampe vor dem Schutt sitzen und lauschte weiter. Die Klopfzeichen kamen unregelmäßig, aber sie kamen.

    Die ersten Thermenarbeiter begannen, Wasser und Schlamm aus dem Zugang zu schöpfen. Andere trugen die sechs verbliebenen Balken von den Wagen. Crispus ließ vor dem eingestürzten Abschnitt einen neuen Rahmen setzen. Noch bevor er fertig war, trafen die ersten Legionäre vom Hafen ein.

    Sie brachten Ausrüstung mit: Seile, eiserne Klammern, Hebelstangen und zwei Rollenblöcke. Von diesem Augenblick an waren die Balken Baumaterial.

    Cassianus kam mit zwei Gesellen. Der Schmied folgte mit einem Korb voller Keile. Beide sahen in den Gang, sahen die vorhandenen Stützen und begannen zu arbeiten, ohne eine Erklärung abzuwarten.

    “Der nächste Rahmen eine Handbreit davor”, sagte Cassianus.

    Crispus nickte. “Und den nächsten erst, wenn der Schutt dort weg ist.”

    “Das wollte ich gerade sagen.”

    “Jetzt haben wir es beide gesagt.”

    Vor dem Schutt setzte Crispus den Fuß des ersten Pfostens um zwei Fingerbreit zur Seite.

    “Nicht auf die Fuge”, sagte Cassianus.

    “Sonst drückt er die Mauer auseinander, statt das Gewölbe zu tragen”, sagte Crispus.

    Cassianus betrachtete erst die Fuge und dann ihn. “Ihr habt schon mehr abgestützt als ein Zelt.”

    “Lager, Straßen, Brücken.”

    Einer der Gesellen reichte Crispus den nächsten Keil, ohne noch einmal zu Cassianus zu sehen.

    Die Legionäre lösten die größeren Steine mit den Hebelstangen. Thermenarbeiter reichten sie in einer Kette nach draußen. Andere füllten nasse Erde in Körbe. Im Hof nahmen Menschen die Körbe entgegen, die vor wenigen Augenblicken noch nicht dort gewesen waren.

    Dachsbert hielt das Seitentor frei und schickte die Neugierigen zum großen Tor. Die Oberaufseherin stellte Wasser, Tücher und Lampen an getrennte Plätze und sorgte dafür, dass leere Körbe zurück in den Gang gelangten. Liora wies neue Helfer der Kette zu. Marcellus trug Keile und Werkzeuge; seine Wachstafel blieb im Gürtel.

    An der Hofmauer war der fahrbare Ofen inzwischen aufgeheizt. Der Händler hatte die Glut zur Seite geschoben. Der Teig ging zur Neige. Der Gehilfe teilte den Rest in immer kleinere Portionen und rollte die erste erheblich dünner aus als sonst.

    “So hält der doch nicht”, sagte der Händler.

    “Dicker reicht er nicht”, sagte der Gehilfe und rollte weiter.

    Öl und Käse waren ebenfalls aufgebraucht. In den Töpfen auf dem Wagen blieben nur noch gesäuerter Rahm, Zwiebeln und Speck. Also bestrich der Händler den dünnen Boden mit dem Rahm und streute den Rest darüber.

    Zu ihrer Überraschung hielt der Fladen zusammen. Er kam mit dunklen Blasen und knusprigem Rand vom heißen Stein. Der Händler brach ein Stück ab und probierte es. “Der ist besser.”

    Der Gehilfe rollte den nächsten Boden aus. Bald wanderten die knusprigen Streifen von Hand zu Hand bis zu den Arbeitern im Gang.

    “Wie nennt Ihr das?”, fragte Liora.

    “Noch gar nicht”, sagte der Händler.

    “Flammkuchen”, sagte Liora und nahm sich einen zweiten Streifen.

    Der Händler nickte langsam. “Das schreibe ich mir auf.”1

    Liora kostet im Hof der Großen Thermen den ersten improvisierten Flammkuchen, während die Oberaufseherin Versorgung und Helfer zum Tunnelzugang lenkt.

    Im Zugang arbeiteten Crispus und Cassianus von Rahmen zu Rahmen. Sie ließen nur so viel Schutt lösen, wie die nächste Stütze sichern konnte. Der Schmied trieb die Keile, bis das Holz das Gewicht des Gewölbes übernahm.

    Mummrich bewegte sich vor ihnen. Wo der Gang niedriger wurde, ging er auf allen vieren weiter. Er prüfte die Fugen, lauschte in den Schutt und zeigte, an welcher Stelle die Klopfzeichen am deutlichsten waren.

    Faulmann blieb am Zugang. Er nahm die gefüllten Körbe aus dem Gang entgegen und reichte leere zurück. Wenn ein schwerer Stein am Seil herausgezogen wurde, hielt er die Leine in der Mitte des Ganges, damit sie weder an den neuen Stützen noch am Mauerwerk scheuerte.

    Die Arbeit kam voran. Langsam wurde aus dem verschütteten Ende wieder ein Gang.

    Dann zählte Cassianus die verbliebenen Balken. “Der Rahmen hier braucht noch zwei”, sagte er. “Danach bleibt uns ein einziger Balken. Das reicht nicht bis zu ihnen.”

    Crispus sah zur Öffnung. Die Klopfzeichen waren nun auch für ihn zu hören.

    Er rief zwei seiner Legionäre zu sich. “Am Hafen liegt noch Holz auf dem Lastschiff. Stauholz, Ersatzspieren, alles, was sich als Stütze verwenden lässt.”

    “Das gehört nicht der Legion”, sagte einer.

    Crispus sah ihn an.

    Die beiden Soldaten liefen los.

    Dachsbert trat neben ihn. “Der Schiffseigner wird eine Erklärung verlangen.”

    “Die bekommt er.”

    “Von wem?”

    “Von mir. Später.”

    Die beiden Legionäre kehrten nicht allein zurück. Hafenarbeiter kamen mit ihnen. Auf ihren Schultern trugen sie Balken, flache Hölzer und zwei kurze Ersatzspieren, die das Lastschiff entbehren konnte. Hinter ihnen rollte der leere Wagen vom Hafen durch das große Tor. Das neue Holz wanderte von Hand zu Hand in den Gang.

    Cassianus prüfte jedes Stück. Was stark genug war, wurde zur Stütze. Was zu kurz war, wurde untergelegt. Was sich nicht eignete, blieb an der Mauer und störte niemanden.

    Als der nächste Rahmen stand, löste Mummrich mit den Pfoten Erde zwischen zwei Ziegeln. Ein dünner Luftzug strich über seine Schnurrhaare. Er hob die Pfote. Die Schaufeln schwiegen.

    Crispus kniete sich neben ihn. Gemeinsam zogen sie einen lockeren Ziegel aus dem Schutt. Dahinter blieb ein schwarzer Spalt, kaum zwei Finger breit.

    “Secundus!”, rief Crispus.

    Zunächst kam nur ein Husten. Dann eine Stimme: “Hier.”

    Crispus legte das Ohr an die Öffnung. “Wie viele?”

    “Sieben.”

    “Verletzt?”

    “Einer kann nicht stehen. Die anderen können fluchen.”

    Aus der Tiefe kam eine zweite Stimme. Sie sagte etwas, das die Einschätzung bestätigte.

    “Wie steht eure Abstützung?”

    “Ein Rahmen hält. Beim zweiten ist der linke Fuß weggerutscht.”

    “Wie weit hinter dem Einsturz?”

    “Sechs Schritte. Vielleicht sieben.”

    “Könnt ihr von eurer Seite lösen?”

    “Erde, ja. Die großen Steine nicht. Einer liegt auf unserem Querholz.”

    Crispus sah zu Cassianus. Der Zimmermann zeigte auf eine kürzere Stütze und zwei Keile.

    “Wir schieben euch zuerst eine Stütze durch”, sagte Crispus. “Links neben das Querholz. Erst wenn sie sitzt, bewegen wir den Stein.”

    “Verstanden”, sagte Secundus.

    Crispus blickte noch einmal in den schmalen Spalt. “Wir holen euch heraus.”

    “Das wäre zweckmäßig.”

    Von nun an gruben sie nicht weniger vorsichtig, aber sie mussten die Richtung nicht mehr suchen.

    Mummrich erweiterte den Spalt mit den Pfoten. Cassianus ließ die kurze Stütze bis zu ihm vorreichen. Auf der anderen Seite zogen Secundus und seine Leute sie durch. Der Schmied gab zwei Keile hinterher.

    “Spitzen nach außen”, rief er.

    “Ich weiß, wie man Keile setzt”, kam Secundus’ Stimme zurück.

    Crispus beugte sich zum Spalt. “Dann setzt sie.”

    Zwei Schläge aus der Tiefe. Eine Pause. Zwei weitere. Das Gewölbe knirschte. Erde rieselte aus den Fugen.

    “Nicht weiter”, sagte Mummrich.

    Alle hielten still. Mummrich wartete, bis sich das Gewölbe beruhigt hatte, und gab erst dann ein Zeichen.

    Die neue Stütze nahm das Gewicht auf. Danach ließ sich der größte Stein bewegen. Crispus beugte sich zum Spalt. “Könnt Ihr ihn sehen?”

    “Seine Rückseite”, sagte Secundus. “Und das Querholz darunter.”

    “Ich sehe das Seil und die Stützen. Ihr ruft Halt, wenn sich auf Eurer Seite etwas bewegt.”

    “Und Ihr sagt, wann sie ziehen.”

    Die Legionäre legten eine Schlinge um den Stein und führten das Zugseil zum Rollenblock am äußeren Stützrahmen. Zwei Männer hoben ihn mit den Hebelstangen gerade so weit an, dass zwei Bohlen daruntergeschoben werden konnten.

    “Zug”, sagte Crispus. Vier Legionäre spannten das Seil. Der Stein glitt eine Handbreit zurück.

    “Halt”, rief Secundus. Die vier Männer hielten gleichzeitig inne.

    “Legion”, murmelte einer der Legionäre. Crispus sah ihn an. “Der Ton”, sagte der Mann.

    Crispus und Secundus teilen beim Bergen des Felsblocks das Kommando über Legionäre und Bauleute im abgestützten Entwässerungsgang.

    Hinter dem Stein schabte Holz über Ziegel. “Das Querholz ist frei”, sagte Secundus nach einem Augenblick. “Weiter.”

    Crispus hob die Hand. “Zug.”

    Der Stein glitt waagerecht durch den Gang zurück. Faulmann hielt die Leine vom Mauerwerk fern, damit er sich nicht drehte und gegen die neuen Stützen schlug.

    Hinter ihm wurde die Öffnung breit genug für Mummrich. Mummrich schob sich durch den Spalt.

    Nasse Erde strich über seinen Rücken. Dann stand er im Gang hinter dem Einsturz. Eine Öllampe brannte zwischen den sieben Männern. Ihr Licht reichte gerade aus, um Gesichter, Schlamm und die Unterseite des Gewölbes voneinander zu unterscheiden.

    Secundus lehnte an der Mauer. Er war älter, als Mummrich erwartet hatte. Graue Haare klebten an seiner Stirn. Ein Arbeiter neben ihm hielt sich den linken Arm. Ein anderer lag unter einer Decke. Sein Bein wurde von einem abgerutschten Querholz gegen den Boden gedrückt.

    Mummrich kroch zu ihm. Das Holz ließ sich anheben, aber erst musste eine zweite Stütze neben den weggerutschten Rahmen.

    Er wandte sich zum Spalt. “Wir brauchen noch eine Stütze”, rief Mummrich. “Links neben dem Verletzten. Danach kann das Querholz hoch.”

    Crispus fragte nach der Länge. Mummrich maß am Mauerwerk und rief sie durch die Öffnung.

    Oben im Hof sägte Cassianus eines der Hölzer vom Schiff zu. Das Stück wanderte durch die Kette in den Gang. Crispus und der Schmied reichten es bis zum Spalt. Mummrich und Secundus nahmen es entgegen.

    Als die Stütze saß, hoben sie das abgerutschte Querholz an. Der verletzte Arbeiter unterdrückte sichtbar seinen Schmerz und zog das Bein frei.

    Nun erweiterten die Helfer die Öffnung. Zwei weitere Stützen kamen hinzu. Lose Ziegel und Erde wanderten nach draußen. Aus einzelnen Handgriffen war längst eine Ordnung geworden. Befehle gingen durch den Spalt in beide Richtungen. Wer die nächste Gefahr sehen konnte, führte den nächsten Handgriff. Die Legionäre hielten die Rahmen unter Spannung. Cassianus und seine Gesellen richteten das Holz aus. Der Schmied trieb die Keile. Thermenarbeiter und Freiwillige trugen den Schutt fort. Liora hielt den Weg frei. Dachsbert schickte jeden, der eine Hand frei hatte, zu jemandem, der gerade eine Hand frei brauchte.

    Faulmann hielt den Zugang frei und nahm den Männern Körbe und Werkzeug ab.

    Als die Öffnung breit genug und stabil war, kamen zuerst die fünf Arbeiter heraus, die selbst gehen konnten. Einer nach dem anderen kroch durch den gesicherten Gang und stieg über die alten Stufen in den Hof. Liora führte sie zu den Tüchern und Wasserkrügen an der Mauer.

    Der sechste Arbeiter konnte nicht auftreten. Cassianus ließ aus zwei Bohlen eine flache Trage binden und befestigte das Zugseil daran. Mummrich und Secundus hoben den Verletzten darauf. Als alles saß, hob Crispus die Hand.

    Vier Legionäre zogen. Zwei Thermenarbeiter krochen neben der Trage und hielten sie gerade. Der Rollenblock knarrte, und der verletzte Mann glitt langsam waagerecht durch den Gang. An der engsten Stelle berührte seine Schulter den Stein. Alle hielten inne. Cassianus ließ die Trage um eine Handbreit versetzen.

    Am Zugang lösten sie das Zugseil. Sechs Männer trugen die Trage über die Stufen in den Hof und legten sie auf den bereitgelegten Tüchern ab.

    “Sechs”, sagte Liora.

    Crispus kniete am Zugang. “Secundus. Jetzt Ihr.”

    “Zuerst der Maulwurf.”

    Mummrich arbeitete sich durch die Öffnung und den gesicherten Gang zurück. Am Zugang stieg er über die alten Stufen in den Hof. Secundus folgte als Letzter.

    Liora sah zu den Männern an der Mauer und dann zu Secundus.

    “Sieben.”

    Die Legionäre ließen die Seile sinken. Cassianus prüfte nochmals die Stützen. Der Schmied sammelte die noch unbenutzten Keile ein und legte sie ordentlich neben den Korb.

    Die Oberaufseherin brachte einen Krug Posca, Wasser mit einem Schuss saurem Wein. Einige Legionäre, Zimmerleute und Thermenarbeiter setzten sich auf Balkenstücke und an die Mauer. Es gab weniger Becher als Hände. Die Becher wechselten so oft die Hand, dass sie bald allen gemeinsam gehörten.

    “Ihr schafft was weg, fast wie Bauleute”, sagte Cassianus anerkennend zu einem der Legionäre.

    “Eure Gesellen setzen brauchbare Keile fast wie Legionäre”, sagte einer der Legionäre zurück.

    Ein Geselle reichte seinen Becher dem Legionär. “Auf fast.”

    Der Legionär trank. “Auf fast.”

    Der Becher wanderte weiter zu einem der geretteten Arbeiter und von dort zu Secundus. Er trank einen halben Becher, gab ihn dem Soldaten, der am Zugseil gestanden hatte, und ging zum Zugang. Crispus wartete dort.

    Eine Weile sahen sie schweigend in den Gang. Hinter den Stützen wurden Körbe weitergereicht. Der Schmied schlug einen Keil nach.

    “Ihr baut ordentlich”, sagte Crispus.

    “Wir hatten einen Wassermeister, der uns erklärte, wo eine Stütze stehen muss”, sagte Secundus. “Er erklärte es sehr laut.”

    “Und Ihr seid als Letzter herausgekommen.”

    “Ich bin mit sechs Männern hineingegangen. Mit weniger komme ich nicht wieder heraus.”

    Crispus betrachtete ihn von der Seite. “Legion?”

    “Sexta Victrix. Optio. Früher.”

    “Tricesima Ulpia. Seit kurzem.”

    “Ihr habt trotzdem nicht gehorcht.”

    “Ihr wolltet mich vor dem Maulwurf hinausschicken.”

    “Das war vernünftig.”

    “Das war aussichtslos.”

    Sie fassten einander mit der Rechten am Unterarm.

    Dann zeigte Secundus in den Gang. “Der zweite Rahmen muss noch ersetzt werden, bevor wir die Leitung wieder öffnen.”

    Crispus folgte seinem Finger. “Cassianus?”

    Der Zimmermann nahm bereits Maß.

    Dann machten sie weiter.

    Die Großen Thermen liefen nicht fort

    Holz schlug gegen Holz.

    Einmal.

    Nach einer Pause noch einmal.

    Faulmann wartete darauf, dass der Schmied den nächsten Keil setzte. Stattdessen klapperte im Hof eine Tür.

    Räder rollten über festen Boden. Ihr Rumpeln wurde leiser, bis nur noch das Summen eines Elektromotors blieb. Stimmen verloren sich hinter einer Mauer. Irgendwo lachte ein Kind.

    Faulmann öffnete die Augen.

    Durch die offene Tür fiel noch immer das schmale Rechteck aus Licht auf den Boden. Staubteilchen bewegten sich darin.

    Liora stand vor ihm und hielt seinen Becher.

    “Du schläfst doch jetzt nicht ein?”

    “Nein”, sagte Faulmann. “Ich glaube, ich bin gerade damit fertig geworden.”

    Er setzte sich auf. Die Mütze war ihm tief in die Stirn gerutscht. Mummrich saß noch immer im Schneidersitz auf dem Boden. Dachsbert strich seinen Purpurstreifen glatt.

    “Wie lange?”, fragte Faulmann.

    “Nicht lange”, sagte Liora.

    Faulmann sah zur Tür. Im Hof sprach eine Frau mit ihren Kindern. Es roch nach warmem Stein und nach dem Staub eines sehr heißen Tages.

    “Ich hätte jetzt gern Flammkuchen”, sagte er.

    Liora sah ihn an. “Warum?”

    Faulmann dachte darüber nach.

    “Unerklärlicherweise.”

    Dachsbert stand auf. “Wir wollten noch zu den Großen Thermen.”

    Faulmann nahm den Becher und trank ihn leer.

    Die Großen Thermen waren tatsächlich nicht fortgelaufen.

    Der Weg zum Schutzbau war kürzer, als Faulmann erwartet hatte. Hinter den hohen modernen Wänden lagen die Mauern des römischen Bades offen unter dem Dach. Stege führten über Heizräume, Becken und die niedrigen Pfeiler, die einst den Fußboden getragen hatten. Wo früher Wasser, Feuer und Menschen durch das Gebäude geleitet worden waren, führten nun Geländer und Schilder durch das Museum.

    Mummrich blieb an einem Modell der Anlage stehen. Er beugte sich so weit darüber, dass seine Nase beinahe das Glas berührte. Mit einer Kralle folgte er dem Weg des Wassers bis zu den Baderäumen und von dort weiter zu den Kanälen.

    Liora zeigte auf einen Hof hinter dem Hauptgebäude. “Dort muss der Wirtschaftsbereich gewesen sein.”

    Faulmann sah sie an. “Woher weißt du das?”

    “Es steht auf der Tafel.”

    Faulmann nickte. Er hatte mit einer anderen Art von Erkenntnis gerechnet.

    Sie gingen weiter. Das Museum zeigte Steine, Werkzeuge, Gefäße und Dinge, die lange genug im Boden gelegen hatten, um einen eigenen Platz hinter Glas zu erhalten. Faulmann blieb noch einmal über den Mauern stehen und suchte nach dem schmalen Gang. Die Tafeln erklärten Heizräume, Wasserleitungen und die Wege der Badenden. Er las sie bis zum Ende. Von oben sah alles anders aus.

    Mit Klimaanlage

    Als sie den Park verließen, lag die Hitze noch immer über dem Asphalt. Die Elektrokutsche zeigte weniger Reichweite als am Morgen. Dachsbert betrachtete die Anzeige eine Weile. Dann fuhren sie zum Lidl-Parkplatz in Xanten.

    Dachsbert trug noch immer seine Tunika mit dem schmalen Purpurstreifen, als er das Ladekabel aus der Säule zog. Zwischen Einkaufswagen, Familienpackungen und Menschen in kurzen Hosen erregte das inzwischen weniger Aufmerksamkeit, als zu erwarten gewesen wäre. Er steckte das Kabel ein. Die Elektrokutsche begann zu laden.

    Mummrich beobachtete die steigende Zahl auf der Anzeige. Faulmann saß auf dem Beifahrersitz und dachte an sehr dünnen Teig, gesäuerten Rahm, Zwiebeln und Speck. Der Gedanke wurde nicht vernünftiger, nur genauer.

    Schließlich zog Dachsbert den Stecker. Die Anzeige zeigte genug Reichweite für die Rückfahrt. Er prüfte es zweimal.

    “Mit Klimaanlage?”, fragte Mummrich.

    “Mit Klimaanlage”, sagte Dachsbert.

    Liora lehnte sich zurück. Sie hatte das Nötige schon am Morgen gesagt. Dann fuhren sie los.

    Diesmal reichte es.


    ← Zu Teil 2: Zwölf verschwundene Eichenbalken

    1. Dass Liora hier den Flammkuchen erfindet, ist selbstverständlich Faulmannsche und keine kulinarhistorische Überlieferung. Einen erstaunlich nahen, wenn auch rund zwölf Jahrhunderte jüngeren Verwandten besitzt die Szene jedoch am Bodensee: Ulrich Richentals Chronik des Konstanzer Konzils (1414–1418) berichtet von „fremden Bäckern“, die kleine Öfen auf Stoßkarren durch die Stadt fuhren und darin Pasteten, Brotringe, „brätschellen“ – Brezeln – und anderes Gebäck buken, teils gefüllt mit Huhn, Singvögeln, Fleisch oder Fisch und Gewürzen. Die Konstanzer Überlieferung macht aus diesen Fremden italienische Bäcker und aus dem Gebäck dünne, belegte Fladenbrote, welche die einheimischen Bäcker übernommen und als „Dinne“, „Dünne“ oder „Dünnele“ weitergeführt hätten. Dieser letzte Schritt steht so nicht ausdrücklich bei Richental; er ist lokale Überlieferung und keine gesicherte Stammtafel des Flammkuchens. Aber der fahrbare Ofen, der dünn ausgerollte Teig, der Belag und die vielen hungrigen Menschen besitzen damit einen fast verdächtig passenden historischen Nachhall. Der Nachbau eines solchen Backwagens ist in der SWR-Dokumentation Das Mittelalter im Südwesten – Konstanz: Stadt des Konzils mit Lena Ganschow zu sehen. Dass die Dokumentation hier eigens genannt wird, verdankt sie allerdings nicht allein ihrem rekonstruierten Backwagen: Faulmann war ein großer Lena-Ganschow-Fanboy. Richentals Chronik in der MGH-Edition, K-Version 57,3 · Die Dünnele-Überlieferung der Konzilstadt Konstanz · Die Dokumentation mit Lena Ganschow ↩

    Die Dreisam war nicht da

    2026-09-26 00:00:00 +0200

    Laboria und Captain Faulmann als Bären mit Fahrrädern vor dem trockenen Bett der Dreisam dahinter der Kaiserstuhl und Mammutbäume.

    Über Freiburg stand ein blauer Himmel, wie er an manchen Tagen hier einfach zur Verfügung steht. Faulmann und Laboria fuhren durch den Seepark. Die beiden hatten Zeit und Räder und zunächst keinen dringenderen Auftrag, als nach Westen zu fahren.

    Am Mundenhof schauten die Erdmännchen nach dem Rechten. Aus anderer Richtung meldeten sich die Brüllaffen. Ob sie jemanden begrüßten oder nur den Vormittag kommentierten, blieb offen.

    Beim letzten Mal war Faulmann hier allein vorbeigefahren. Heute stand seine Schwester neben ihm. Sie hörten den Affen zu, bis sich beide wieder an ihre Räder erinnerten.

    Hinter dem Mundenhof wurde es weit. Felder, kleine Orte, dann der Tuniberg mit seinen Reben. Laboria fuhr voraus, später Faulmann. Sie redeten über Verschiedenes und gelegentlich über gar nichts. Geschwister müssen eine Pause im Gespräch nicht erst vereinbaren.

    Drüben erhob sich der Kaiserstuhl. Faulmann hatte ihn schon als Kind vom Rand Freiburgs aus gesehen. Damals hatte ihm jemand gesagt, dass es ein Vulkan sei.

    Das war eine Information gewesen, mit der die Erwachsenen erstaunlich gelassen umgingen. Sie fuhren weiter zum Einkaufen, mähten Rasen, stellten Gartenstühle auf. Faulmann dagegen wollte wissen, wann er wieder ausbrechen würde. Auf diese Frage bekam er Antworten wie “schon sehr lange nicht mehr”. Als Kind fand er, dass darin das Wort wieder verdächtig wenig Beachtung fand.

    Nun fuhren sie auf ihn zu. Der Kaiserstuhl stand friedlich zwischen den Reben. Vor etwa 18 bis 15 Millionen Jahren war hier vulkanisches Gestein an die Oberfläche gekommen. Von den damaligen Bergen blieb nach langer Abtragung der Kaiserstuhl, den Faulmann kannte. Der Vulkan hatte sich Zeit gelassen, unbedrohlich zu werden.1

    “Er hat sich wohl im Alter beruhigt”, sagte Laboria, als Faulmann ihr von seiner kindlichen Sorge erzählte.

    “Das haben sie damals auch gesagt.”

    Über den Hängen lag Löss. Er stammt aus einer viel späteren, kälteren Zeit. Während der Eiszeiten führten Rhein und andere Flüsse große Mengen Gestein mit sich. In den trockenen Kaltzeiten lagen ihre Schotterflächen offen; der Wind nahm den feinen Staub auf und trug ihn an die Hügel. Dort blieb er liegen, Schicht um Schicht. So bekam der alte Vulkan einen Boden, auf dem später Reben wachsen konnten.2

    Faulmann sah auf die Wege durch die Hänge, auf breite Terrassen und Reihen von Rebstöcken. Schmale Rebterrassen hatte es hier schon früher gegeben; viele der breiten Stufen entstanden erst bei der Flurbereinigung in den sechziger und siebziger Jahren. Man legte Parzellen zusammen und formte den Löss so, dass sich die Hänge leichter bewirtschaften ließen. Der Wind hatte den Staub gebracht. Die Menschen hatten anschließend sehr ordentlich damit weitergemacht.3

    Auch der Name des Berges kam von ihnen. Der Überlieferung nach hielt König Otto III. im Jahr 994 bei Sasbach Gericht. Er wurde erst später Kaiser. Dass ein Berg seinen Titel rückwirkend bekommen konnte, gefiel Faulmann. Er hätte als Kind allerdings gern gewusst, ob der König über den Vulkan Bescheid wusste – und was er dagegen zu tun gedachte.4

    Zwischen Wasenweiler und Ihringen bogen sie ins Liliental ab. Nach den offenen Rebhängen schien es sich um sie zu schließen, ohne eng zu werden. Wiesen lagen zwischen bewaldeten Hängen, Wege verschwanden hinter Bäumen und kamen ein Stück weiter wieder zum Vorschein. Faulmann dachte an ein Tal, in dem Hobbits wohnen könnten. Die wären vermutlich schon unterwegs zum Mittagessen gewesen.

    Das Liliental war schön auf eine Weise, die wenig Aufhebens um sich machte. Seine Wiesen und alten Bäume luden zum Bleiben ein. Zugleich war es eine Landschaft, um die sich Menschen kümmerten: Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt pflanzte dort Bäume aus verschiedenen Teilen der Welt, beobachtete ihr Wachstum und hielt offene Flächen für Orchideen frei. Im Spätsommer waren die Blüten längst fort. Die Wiesen lagen noch da.5

    Am Lilienhof machten sie Pause. Das alte Gut hatte einmal einem Grafen von Bismarck gehört; zu ihm zählten ein Gestüt und ein bekanntes Weingut. Heute wird auf dem Hof geheiratet.6

    Das helle Gasthaus am Lilienhof unter blauem Himmel.
    Am Lilienhof war der Tisch für die Pause schnell gefunden.

    Faulmann war schon einmal zu einer Hochzeit im Liliental gewesen. Viele Jahre zuvor, mitten im Studium. Er und seine damalige Freundin waren eingeladen gewesen. Es war eine lange Nacht geworden, und als er jetzt wieder vor dem Hof stand, fiel ihm weniger die Feier selbst ein als ein Spaziergang während dieser Nacht.

    Die beste Freundin seiner Freundin war auch dort gewesen, zusammen mit ihrem damaligen Partner. Faulmann und dieser Mann hatten sich kaum gekannt. Irgendwann waren sie zu zweit ein Stück vom Fest weggegangen, mit jener leisen Verschwörung, die manchmal schon darin besteht, dass man dieselbe Tür nach draußen nimmt.

    Worüber sie gesprochen hatten, wusste Faulmann nicht mehr genau. An den Weg erinnerte er sich, an die Nacht und daran, wie merkwürdig vertraut ihm der andere nach kurzer Zeit gewesen war.

    Vielleicht hatten sie beide gerade eine Pause gebraucht. Vielleicht fiel es ihnen leicht, miteinander zu reden, weil sie einander nichts erklären mussten, was schon Jahre zurücklag. Vielleicht glaubten sie damals auch, über ihre Partnerinnen nun auf Gedeih und Verderb miteinander auskommen zu müssen.

    Wie auch immer: Das Studium ging zu Ende, Menschen verliefen sich. Die beiden sahen sich nie wieder.

    Faulmann erzählte Laboria davon, während sie auf den Eiskaffee warteten. Sie hörte zu und fragte nicht, was aus dem Mann oder den anderen geworden war. Das wusste Faulmann ohnehin nicht.

    Dann kamen Eiskaffee und Landjäger mit Senf. Faulmann war nicht sicher, ob das zusammengehörte. Nachdem beides vor ihm stand, schien die Frage erledigt.

    Nach der Pause ging es weiter bergauf zu den Mammutbäumen. Sie standen hoch und still zwischen den anderen Bäumen, mit rötlichen Stämmen, die man erst aus der Nähe richtig sah. Laboria legte den Kopf in den Nacken. Faulmann tat es ihr nach.

    Die Bäume waren 1960 gepflanzt worden. Für Mammutbäume war das noch keine besonders lange Zeit. Faulmann, der den Anstieg gerade in den Beinen hatte, empfand das anders.5

    Blick von unten in die hohen Mammutbäume des Lilientals.
    Die Bäume hatten für diese Strecke deutlich weniger Anstrengung gebraucht.

    Sie fuhren weiter hinauf und später langsam zum Vogelsangpass hinüber. Oben hielt Laboria an und wartete, bis Faulmann neben ihr stand. Unter ihnen lagen die Rebhänge und die Ebene, die sie am Morgen durchquert hatten. Eine Weile suchten sie mit den Augen nach ihrem Weg. Dann fuhren sie weiter.

    Zwei Fahrräder vor den Hängen und Reben des Kaiserstuhls.
    Zwei Räder, viele Wege und ein Berg, der schon lange still war.

    Die Abfahrt nach Bötzingen gab den Bremsen reichlich Arbeit. Unten stellten sie die Räder kurz an den Rand. Faulmann berührte vorsichtig eine Bremse und zog die Hand wieder zurück.

    “Die hat sich Mühe gegeben”, sagte Laboria.

    Das war freundlich ausgedrückt.

    Später kamen sie an die gute Dreisam. Faulmann hatte den Fluss dort erwartet, wo die Brücke ihn versprach. Unter ihr lag ein breites Bett aus hellen Steinen. Wasser sahen sie keines.

    Das trockene Kiesbett der Dreisam bis zum Horizont.
    Die Brücke war da. Der Fluss vorerst nicht.

    Sie stiegen ab.

    Blick knapp über die Steine im trockenen Flussbett.
    Steine, die wussten, wie sich Wasser anfühlt, aber vergessen hatten, wo es geblieben war.

    Die Dreisam war für Faulmann nie irgendein Fluss gewesen. Er kannte sie von den Wegen durch Freiburg, von Brücken und Ufermauern, vom Fahren neben ihr. Man musste nicht ständig hinschauen, um zu wissen, dass sie da war.

    Er erinnerte sich auch daran, wie die Stadt ihren Fluss lange behandelt hatte. Die Dreisam brachte Wasser aus dem Schwarzwald, manchmal viel zu schnell und viel zu viel. Sie trieb Arbeit an und versorgte Freiburg über Kanäle. Weiter draußen in der Ebene hatte sie früher Arme und Kiesbänke, deren Lage nicht für immer feststand.

    Im 19. Jahrhundert begradigte man sie und gab ihr Dämme. Für die Menschen an ihren Ufern wurde manches dadurch verlässlicher. Der Fluss bekam weniger Möglichkeiten, anderswo entlangzugehen.7

    In den letzten zwanzig Jahren hatte Faulmann an ihr noch eine andere Veränderung beobachtet. Die Freiburger kamen nicht mehr nur über die Dreisam oder an ihr entlang. Sie kamen zu ihr. Sie saßen auf den Wiesen, stellten Fahrräder ab, hielten Füße ins Wasser, brachten Decken und Essen mit. Manche blieben einen ganzen Nachmittag. Die Stadt hatte an ihrem Fluss einen Platz gefunden, an dem niemand etwas bestellen musste, um bleiben zu dürfen.

    Faulmann mochte das. Er mochte es weniger, wenn nach einem solchen Nachmittag Flaschen und Verpackungen zurückblieben. An manchen Stellen gab man der Dreisam in letzter Zeit sogar wieder ein Stück beweglicheres Bett und flachere Ufer. Auch diese Plätze zogen Menschen an. Für einen Fisch und für eine Freiburgerin mit Picknickdecke konnte derselbe Kiesstreifen aus sehr verschiedenen Gründen interessant sein.

    Nun standen Faulmann und Laboria an einem Fluss, der einmal aus mehreren Dingen bestanden hatte: Wasser für die Stadt, Gefahr für die Felder, Weg nach Hause, Platz zum Sitzen. Heute war hier vor allem sein Bett zu sehen.

    “Wo ist sie denn?”, fragte Laboria.

    In trockenen Zeiten versickert die Dreisam manchmal bei March im Kies unter ihrem Bett. Weiter flussabwärts kann sie wieder an die Oberfläche treten. Faulmann wusste das inzwischen. Als Kind hätte ihn diese Auskunft vermutlich ebenso wenig beruhigt wie die über den Vulkan. Damals hatte er gemeint, ein Fluss müsse dort sein, wo sein Flussbett war.

    Faulmann dachte an Hungersteine, die in anderen Flüssen erst bei großer Trockenheit sichtbar werden. Auf einem in der Elbe stand: „Wenn du mich siehst, dann weine.“8 Er sah in das helle Bett der Dreisam. Sie hatte keine Inschrift gebraucht.

    Laboria ging ein paar Schritte an der Brücke entlang. Faulmann wartete bei den Rädern. Es war seltsam, eine alte Freundin zu besuchen und zunächst nur ihren Platz vorzufinden. Man konnte sich ausrechnen, wohin sie gegangen war. Sehen konnte man sie nicht.

    Ein paar Minuten weiter war wieder Wasser zu sehen, so ruhig, als habe die Landschaft das trockene Bett nicht eben erst gezeigt. Ein Reiher stand am Ufer. Faulmann sah eine Weile zu und versuchte nicht, die beiden Ansichten gleich miteinander zu versöhnen.

    Ein flacher Wasserlauf zwischen Wiesen und Bäumen. Wasserlauf von einer Brücke aus gesehen, mit Metallteilen im Vordergrund.
    Wenig später war wieder Wasser im Bild. Die Landschaft erklärte sich nicht weiter.
    Ein Graureiher steht an einem flachen Wasserlauf.
    Der Reiher schien mit dem Wasserstand einverstanden. Ob die Fische mit dem Reiher einverstanden waren, blieb offen.

    Sie fuhren über Hugstetten und durch den Mooswald nach Hause. Unter den Bäumen wurde die Luft kühler. Das Gespräch kam wieder, zunächst über den Weg, dann über den Eiskaffee. Von der Dreisam sprachen sie eine Weile nicht.

    Zu Hause stellte Faulmann sein Rad ab. An den Reifen saß heller Staub vom Kaiserstuhl. Morgen würde er ihn vielleicht abwischen.

    1. Der Kaiserstuhl entstand durch Vulkanismus vor ungefähr 18 bis 15 Millionen Jahren. LGRB: Vulkanite am Kaiserstuhl. ↩

    2. Der Löss am Oberrhein wurde in trockenen Kaltzeiten vor allem von den Schotterflächen der Flüsse ausgeweht. Er besteht überwiegend aus sehr feinem Schluff. LGRB: Südliches Oberrheinisches Tiefland. ↩

    3. Die schmalen Rebterrassen wurden bei der Flurbereinigung vielerorts zu größeren Terrassen zusammengelegt. Das Staatsweingut Freiburg beschreibt die Umgestaltung von 1962 bis 1972; LEO-BW dokumentiert frühere schmale und spätere große Rebterrassen. ↩

    4. Die Verbindung mit einem Fürstengericht Ottos III. bei Sasbach ist eine historische Deutung des Namens. Naturgarten Kaiserstuhl: Sasbach. ↩

    5. Zum Versuchsgelände, den Orchideenwiesen und dem 1960 gepflanzten Mammutbaumwald siehe die FVA Baden-Württemberg. ↩ ↩2

    6. Die FVA zur Geschichte des Lilientals nennt das frühere Weingut und Gestüt. Der Hofgut Lilienhof beschreibt seine heutige Nutzung für Hochzeiten. ↩

    7. Zur historischen Begradigung und zur jüngeren Umgestaltung siehe die Stadt Freiburg. Bei March kann die Dreisam in trockenen Zeiten im durchlässigen Untergrund versickern und weiter flussabwärts wieder an die Oberfläche treten. ↩

    8. Niedrigwassermarken auf Steinen, die nur bei extremer Trockenheit sichtbar werden, heißen Hungersteine. Die Inschrift stammt von einem Stein in der Elbe bei Děčín, nicht von der Dreisam. Euro-Climhist, Universität Bern: Wassermarken. ↩

    Ein Fenster, acht Engel und zwei Sandwiches – Ein Kölner Tag eben

    2026-09-19 00:00:00 +0200

    Captain Faulmann und Keira zwischen MAKK, Dom und Offenbachplatz

    Als Keira das Museum betrat, saß Faulmann bereits auf einem seiner Lieblingsmuseumssofas in Köln.

    “Die Stadt ist voller Polizei”, sagte sie.

    “Ja”, sagte Faulmann. “Am Neumarkt treffen sich gerade eine Demonstration gegen Schwangerschaftsabbrüche und eine für das Recht, selbst darüber zu entscheiden. Außerdem werden heute Oper und Schauspielhaus wiedereröffnet.”

    Er rückte ein Stück zur Seite.

    “Ein Kölner Tag eben.”

    Keira setzte sich neben ihn und strich ihr olivgrünes Gefieder glatt. Ihre Kehle war gelb, die Bauchseite hellgrau, ihr Schnabel fein und spitz, und um ihre Augen lagen breite weiße Federringe.

    An der Kasse des MAKK hatte Faulmann kurz zuvor seine Jahreskarte für die Kölner Museen verlängert. Damit war für ein weiteres Jahr geregelt, dass er in Köln Gebäude betreten konnte, um sich dort unter anderem andere Gebäude anzusehen.

    Im Foyer des MAKK fehlte allerdings jemand.

    “Wo ist denn der Mercedes?”, fragte Faulmann einen der Aufseher.

    “Der ist in die Garage gefahren.”

    Gemeint war der Mercedes SL, der sonst wie ein Maskottchen vor der Dauerausstellung stand. Er hatte den beiden Architekturausstellungen Platz machen müssen. Die Generalvorfahrt der württembergischen Automarke mit Frauennamen gehörte damals offenbar noch nicht zur Serienausstattung.1

    Erst die Idee

    Die erste Ausstellung galt Oswald Mathias Ungers. Architektur als Idee war ein Titel, der zunächst ein wenig so klang, als könne man sich das Bauen sparen, sofern der Gedanke ordentlich genug ausfiel.

    Ungers hätte das vermutlich anders gesehen. Bei ihm begann Architektur mit Ordnung: mit Raum, Maß und Proportion, mit Kreis und Quadrat, mit Formen, die nicht zufällig irgendwo standen, sondern einander etwas zu sagen hatten.2

    Die Ordnung endete nicht an der Hauswand. Möbel, Kunst, Farben und Garten gehörten bei Ungers zum selben Entwurf. Ein Wohnhaus konnte als kleine Stadt gedacht werden, eine Bibliothek als schwarzer Würfel, in dessen Regalen das Wissen über Architektur aufgehoben war. Nicht Dekoration um ein Gebäude herum, sondern Teile desselben Gedankens.

    Bei seinem ersten Haus in der Kölner Belvederestraße wurde das ziemlich wörtlich. Wohn- und Arbeitsräume lagen um eine innere “Straße” und zwei Treppen. Von außen war nicht ohne Weiteres abzulesen, welcher Raum wofür gedacht war. Jeder folgte seiner eigenen Logik, gemeinsam bildeten sie eine kleine Stadt unter einem Dach.

    Später setzte Ungers einen Bibliothekskubus daneben. Von außen war er ein schwarzer Würfel aus Basaltlava, fast ohne Erzählung. Innen lagen in den Regalen seine Bücher zur Geschichte und Theorie der Architektur. Das Ausstellungsmaterial nannte sie das “Universum der Architektur”. Faulmann fand, dass ein Universum in einem Würfel zumindest den Vorteil hatte, nicht weiter expandieren zu müssen.

    Ein anderes eigenes Wohnhaus nannte Ungers das “Haus ohne Eigenschaften”. Sockel, sichtbares Dach, Fensterbänke und Bauschmuck waren weitgehend verschwunden. Übrig blieb eine helle, geometrische Form. Selbst das Weglassen war bei Ungers keine Leerstelle. Es war eine ziemlich genaue Tätigkeit.

    Faulmann betrachtete Pläne und Modelle. Häuser waren hier noch keine Orte, an denen jemand die Heizung zu hoch drehte oder im Treppenhaus ein Fahrrad abstellte. Sie waren zunächst Gedanken, denen man genug Material gegeben hatte, um draußen stehen zu können.

    Bei der Residenz des deutschen Botschafters in Washington musste diese Ordnung sogar ein Land vertreten. Ungers suchte nach einer architektonischen Form für Eigenschaften Deutschlands und hielt klassische Symmetrie und moderne Strenge in einem Gebäude zusammen. Auch Diplomatie brauchte offenbar zunächst einen Grundriss.

    In Karlsruhe machte er das Quadrat zum Grundmaß der Badischen Landesbibliothek. Ein Raster von drei Metern zieht sich durch den Bau; in seiner Mitte liegt ein quadratischer, von einer Kuppel überwölbter Lesesaal. Das Wissen lag dort nicht nur in Regalen. Es hatte einen geometrischen Mittelpunkt bekommen.3

    Der Mercedes hatte dafür vernünftigerweise die Garage aufgesucht.

    Dann der Blick

    In der zweiten Ausstellung waren die Gebäude längst gebaut. Hans Georg Esch hatte sie fotografiert: den Kölner Dom, Pompeji, das Chrysler Building, Bauten von Ungers, Hongkong, Beijing, Sanaa und den neuen Flughafen von Abu Dhabi. Unter seinem Blick wurden sie aus ihren Straßen und Städten gelöst und zu Bildern, die einander im Museum begegnen konnten.4

    Die Ausstellung war als Dialog angelegt. Mehr als zweitausend Jahre alte Straßen und Häuser in Pompeji trafen auf die Formen des noch nicht eröffneten Stuttgarter Hauptbahnhofs. Der geografische Bogen reichte von Lappland bis Sydney und Beijing. Köln blieb trotzdem das Zentrum, nicht nur, weil das Museum dort stand. Immer wieder führten Eschs Bilder in die Stadt und zu den Bauten von Ungers zurück.

    Zwischen den großen Aufnahmen lagen Polaroids aus früheren Reisen. Kleine Einzelstücke aus einer Zeit, in der man das fertige Bild nicht schon vor der Aufnahme auf einem Bildschirm betrachten konnte. Esch hatte sie in Stapeln und Schachteln aufbewahrt. Jedes war nur einmal vorhanden, während die großen digitalen Bilder daneben längst ohne festes Ende vervielfältigt werden konnten.5

    An einer Wand öffnete sich Köln noch einmal.

    An dieser Stelle wirkte Eschs Aufnahme des Vierungsturms beinahe wie ein Fenster. Nur zeigte dieses Fenster nicht, was hinter der Wand lag. Der Dom stand von hier aus fast im rechten Winkel zur Blickachse. Das Bild öffnete eine Sichtachse, die der Raum selbst nicht hergab.

    Faulmann brauchte einen Moment, um zu verstehen, warum sich das Bild zugleich vertraut und unmöglich anfühlte.

    Einige von Eschs Bildern entstanden mit Drohnen. Was früher nur Vögel sehen konnten, erklärte das Ausstellungshandbuch, war inzwischen ein alltägliches Werkzeug der Architekturfotografie. Keira nahm die technische Erschließung ihrer Perspektive ruhig zur Kenntnis.

    Auf dem Turm standen acht Engel. Von unten sind sie kaum als einzelne Figuren zu erkennen. Auf Eschs Foto wirkten sie groß, schwer und überraschend technisch. Ihre Körper waren geometrisch, ihre Flügel wirkten wie schwere Konstruktionen.

    Keira betrachtete die acht metallischen Gestalten auf dem Vierungsturm.

    “Ein wenig Metropolis”, sagte sie. “Für Engel sehen sie bemerkenswert raumstationskompatibel aus.”

    Das war nicht einmal ganz zufällig. Die Engel gehören zur modernen, vom Art déco geprägten Neugestaltung des Vierungsturms. Erlefried Hoppe entwarf sie, Hubert Bruhs fertigte ihre Holzkerne. Jede Figur ist 4,10 Meter hoch, mit Blei verkleidet und wiegt mehr als zwei Tonnen.6

    Gleich daneben hing das Chrysler Building. Im Ausstellungshandbuch folgten beide Aufnahmen sogar unmittelbar aufeinander: der Kölner Vierungsturm als Nummer 62, das Chrysler Building als Nummer 63.7

    Art déco auf einer gotischen Kathedrale begegnete Art déco über den Straßen Manhattans. Dazwischen lag nur ein Stück Museumswand. Die Ausstellung hatte Köln und New York nicht näher zusammengerückt. Sie hatte lediglich den Abstand weggelassen.

    Vielleicht lag darin der eigentliche Unterschied zwischen einem Gebäude und seinem Bild. Ein Gebäude wurde entworfen und gebaut. Zur Ikone wurde es erst, wenn jemand einen Blick darauf fand, der sich wiederholen wollte. Der Dom stand schon lange in Köln. Diese acht Engel hatte Faulmann trotzdem erst an einer Museumswand richtig gesehen.

    Gebäude werden wieder Stadt

    Wenig später gingen Faulmann und Keira hinaus zum Offenbachplatz.

    Nach vierzehn Jahren Sanierung öffneten die Bühnen Köln dort wieder ihre Türen. Opernhaus, Schauspielhaus, Kinderoper und Kleines Haus gehörten für ein Wochenende nicht nur denjenigen, die Karten oder einen Dienstplan besaßen, sondern auch jenen mit viel Geduld. Menschen standen auf dem Platz, warteten vor Eingängen, hörten Musik und reihten sich an Foodtrucks ein.8

    Die neuen Räume hätten Keira und Faulmann auch von innen besichtigen können. Die Schlangen vor den Eingängen verlangten jedoch sichtbar deutlich mehr Standhaftigkeit, als beide aufbringen wollten.

    Kurz zuvor hatten Faulmann und Keira noch Architektur betrachtet, die zur Idee und anschließend zum Bild geworden war. Nun standen sie zwischen Gebäuden, die wieder benutzt wurden.

    Eine kurze Strecke durch mehrere Küchen

    Rund um die wiedereröffneten Häuser standen Foodtrucks. Der Weg über den Offenbachplatz wurde dadurch geografisch etwas unübersichtlich.

    An einem Stand, dessen Name Faulmann später verloren ging, gab es lange, weiche Brioche-Sandwiches: eines mit Pulled Bœuf, eines mit Austernpilzen, dazu Cheddar oder Avocado und wunderbar eingelegte rote Zwiebeln. Nach einer kurzen Absprache bestellten Keira und Faulmann beide Varianten und teilten sie so, dass jeder eine Hälfte von jedem Sandwich bekam.

    Es war eine gute Anwendung des von Faulmann erfundenen Badischen Undsatzes (principium Badense coniunctionis): Bei Essensbestellungen darf jedes Entweder-oder grundsätzlich durch ein Und ersetzt werden.

    Bei Knödelfein folgte ein Rote-Bete-Knödel mit Ziegenkäsekern. Der Knödel war außen kräftig rot, innen hell und insgesamt erheblich weniger zurückhaltend, als Knödel sonst aufzutreten pflegen. Seine Herkunft lag gedanklich in den Alpen, auch wenn er an diesem Tag in Köln aus einem Foodtruck kam.9

    Danach gab es bei Beni Doubles ein weiches, frittiertes Fladenbrot mit würzigem Kichererbsencurry. Faulmann hatte das Gericht zunächst irgendwo in Lateinamerika verortet. Tatsächlich gehörte es zu den Doubles aus Trinidad und Tobago - karibischem Streetfood mit indischen Wurzeln.10

    Es war eine recht kurze Strecke von Washington über Manhattan und die Alpen bis nach Trinidad. Städte leisten sich solche Entfernungen gelegentlich, ohne sie auszuschildern.

    Kaffee, Kyjiw und die galaktische Personalakte

    Gegen fünf holte sich Faulmann bei Klee Kaffee einen Espresso. Keira bestellte denselben Grundgedanken mit erheblich mehr Milch. Der Kaffee kam aus einem Wohnwagen, was nach Brioche-Sandwiches, Knödeln, Frittierfladen und vierzehn Jahren Bühnensanierung als vergleichsweise überschaubare Konstruktion erschien.

    Am Stand entdeckte er eine kleine grüne Gestalt aus Star Wars.

    “Yoda”, sagte Faulmann.

    “Grogu”, sagte Keira.

    Es war keine Zurechtweisung. Nur eine sachgerechte Berichtigung der galaktischen Personalakte.

    Der Irrtum hatte nicht lange genug gestanden, um peinlich zu werden.

    Auf der Außenbühne begannen die Dakh Daughters. Weiß geschminkte Gesichter, schwarze Kleidung, Kontrabass, Schlagzeug, Keyboard und Gitarre. Die Musikerinnen aus Kyjiw nennen ihre Verbindung aus Theater, ukrainischer Musik, Punk und Literatur “Freak Cabaret”. Das traf es besser als die meisten ordentlichen Genrebezeichnungen.11

    Das Samstagsprogramm war vom Schauspiel Köln kuratiert. Die Dakh Daughters für die Wiedereröffnung einzuladen, war eine auffallend gute Entscheidung. Keine gefällige musikalische Tapete, sondern Künstlerinnen aus einer Stadt, deren Kultur gerade verteidigt werden musste. Chapeau!

    Bei einem früheren Besuch im Museum Schnütgen hatte Faulmann mittelalterliche Glasmalereien aus dem Khanenko-Museum in Kyjiw gesehen. Wegen des Krieges waren sie vorübergehend in Köln untergebracht. Damals waren Kunstwerke aus Kyjiw als Gäste in die Stadt gekommen. Nun kamen die Stimmen selbst.

    Die Musik konnte im selben Stück streng, fremd, komisch und wütend werden. Sie schien nicht recht einzusehen, weshalb sie sich für eine dieser Möglichkeiten entscheiden sollte.

    Keira und Faulmann blieben stehen und setzten sich schließlich auf eine der neuen Steinbänke. Als der Kaffee ausgetrunken war, saßen sie noch ein paar Minuten dem Konzert lauschend da. Hinter ihnen lag das Museum mit seinem rückwärts blickenden Fenster. Der Mercedes stand irgendwo in einer Garage. Faulmanns Bauch brummte zufrieden im Takt, und seine Jahreskarte galt nun wieder ein ganzes Jahr.


    1. Die Daimler-Motoren-Gesellschaft, aus der Mercedes hervorging, stammte aus Cannstatt bei Stuttgart. Der Markenname geht tatsächlich auf den Vornamen Mercédès Jellineks zurück; ihr Vater Emil verwendete ihn zunächst als Pseudonym bei Autorennen. 1902 wurde Mercedes als Marke geschützt. ↩

    2. Die Ausstellung O.M. Ungers - Architektur als Idee läuft im MAKK vom 22. Mai bis 27. September 2026. Sie entstand anlässlich des 100. Geburtstags des Kölner Architekten. Das Faltblatt zur Ausstellung beschreibt Architektur, Design, Kunst und Landschaft ausdrücklich als zusammengehöriges Ganzes. ↩

    3. Das MAKK datiert Ungers’ Residenz des deutschen Botschafters in Washington auf die Jahre 1987 bis 1995. Die Badische Landesbibliothek beschreibt ihren Ungers-Bau mit Dreimeter-Raster, quadratischem Lesesaal und Kuppel. ↩

    4. Hans Georg Esch - Der architektonische Blick · epochal - global ist vom 11. Juni bis 27. September 2026 zu sehen. ↩

    5. Das Ausstellungshandbuch widmet sowohl Eschs Polaroids als auch seiner Drohnenfotografie eigene Abschnitte. Es beschreibt die Schau als Dialog zwischen Epochen, Kontinenten, dokumentarischem Auftrag und freier künstlerischer Fotografie. ↩

    6. Der heutige Vierungsturm wurde zwischen 1965 und 1973 nach einem Entwurf des Dombaumeisters Willy Weyres neu gestaltet. Die acht Engel bestehen aus bleiverkleidetem Lärchenholz. ↩

    7. Ausstellungshandbuch Hans Georg Esch - Der architektonische Blick · epochal - global, Werkverzeichnis, Nummern 62 und 63. ↩

    8. Das Eröffnungsfest der Bühnen Köln fand am 19. und 20. September 2026 statt. Das Programm verteilte sich über den Offenbachplatz sowie Opernhaus, Schauspielhaus, Kinderoper und Kleines Haus. Für die Besichtigung der neuen Räume waren teils Zeitslots oder Wartezeiten vorgesehen. ↩

    9. Knödelfein-Gründer Christoph Schrader lernte das Knödelrollen 2013 während eines Sommers auf der Adolf-Noßberger-Hütte in Österreich. Später entwickelte er daraus die heutige Knödelfein-Manufaktur. ↩

    10. Doubles bestehen traditionell aus zwei frittierten Bara und einem Kichererbsencurry namens Channa. Beni Doubles bringt dieses Streetfood in Köln auf Märkte und Veranstaltungen. ↩

    11. Die Dakh Daughters entstanden 2012 am unabhängigen Dakh-Theater in Kyjiw. Das Künstlerinnenkollektiv verbindet Musik, Schauspiel und Texte unter anderem ukrainischer Dichterinnen und Dichter. Seit dem Euromaidan ist seine Arbeit eng mit dem politischen und kulturellen Widerstand der Ukraine verbunden. Ihr Auftritt um 17 Uhr gehörte zum offiziell vom Schauspiel Köln kuratierten Samstagsprogramm. ↩