Es war später, als Faulmann wieder in seiner Bärenhöhle saß.

Der Stein hielt die Kälte draußen, das Kaminfeuer klein; nur so viel Wärme, wie nötig war.

Faulmann blätterte durch seine Aufzeichnungen. Kirchenraum. Vitrine. Pergament. Ränder, die mehr sagten als die Mitte. Er hatte vieles notiert. Fast zu vieles.

Mummrich saß ihm gegenüber. Die Grubenlampe zwischen ihnen war kein Zeichen. Sie war einfach Licht.

Faulmann strich mit der Kralle über den Rand.

“Die Seiten enden ja gar nicht mit den Verzierungen”, brummte er. Es klang wie ein Heureka, nur ohne Euphorie. Mehr wie ein leiser Verdacht, der sich endlich traute.

Die Höhle antwortete nicht. Sie tat, was Höhlen tun. Sie schwieg.

Faulmann hatte immer auf die Drolerien geschaut. Auf Einhörner, Affenwesen, kleine Spötter am Rand der Ordnung. Und dort, wo sie aufhörten, hatte er automatisch Schluss gedacht.

Aber das war falsch.

Mummrich räusperte sich im Halbdunkel und Sprach:

“Ganz außen - dort, wo der Rand der Verzierung selbst ausläuft - bleibt das Papier leer. Unverziert. Fast trivial. Ein Streifen, der nicht mehr kommentiert, nicht mehr ergänzt.”

“Hier beginnt eine andere Zone”, fuhr Mummrich fort. “Nicht nur im Buch. In den Köpfen. Da wird auch benutzt. Nur anders. Nicht, weil dort nur das Extreme gedacht wird. Sondern weil dort ein Bereich beginnt, der erstaunlich gut ohne Gedanken auskommt.”

Das Feuer knackte zustimmend oder zufällig.

“Die Mitte kann man erweitern. Der Rand kann sie kommentieren. Aber diese äußerste Kante - die erweitert nichts. Sie nimmt nur Platz weg und fühlt sich dabei sehr beschäftigt.”

Faulmann fragte nicht, ob das schlimm sei. Er kannte die Antwort schon, bevor sie fertig gedacht war.

Mummrich zuckte nur mit den Schultern. Das ist bei ihm schon fast ein Essay.

Auf dem äußersten Streifen blieb es leer.