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Anakin Skywalker:
Ein Kind mit übergroßer Begabung, voller Sehnsucht nach Liebe und Sicherheit. Aus Angst, zu verlieren, lässt er sich vom Imperator ködern – und wird zu Darth Vader. -
Luke Skywalker:
Anakins Sohn. Auch er spürt die Verlockung der dunklen Seite. In der entscheidenden Stunde könnte er fallen wie sein Vater. Doch er legt das Schwert nieder – und findet das Licht. -
Antonia von Florenz:
Keine Galaxis, keine Raumschiffe, keine Laserschwerter. Stattdessen Kloster, Fasten, Dämonen. Aber ihre Antwort ist klar: Sie widersteht. Ohne Zögern, ohne Fallen.
Eine Jedi-Ritterin im Habit hätte kaum überzeugender sein können. - Anakin fällt – und das Publikum versteht sofort die Tragik des Helden, der der Angst erliegt.
- Luke ringt – und Millionen atmen auf, als er in letzter Sekunde widersteht.
- Antonia? Sie bleibt schlicht standhaft – kein Drama, kein Zögern, kein Fallen.
Faulmann, Antonia und das fehlende Stück der Saga
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Ein grauer Regentag in Köln.
Captain Faulmann hätte sich eigentlich nochmal im Bärenfell einrollen können – das Lagerfeuer mit Freunden gestern war lang, warm und voller Geschichten. Doch, nach einem Kaffee in der Bärenhöhle schnappt er sich das Paule-Rad und rollt zum Rautenstrauch-Museum, um die Mittelalter-Abteilung zu Ende zu sehen.
Im Hauptsaal hängen sie: die großen Altäre, dicht bevölkert mit Heiligen und Symbolen.
Und da entdeckt er sie: Antonia.
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Nicht die Heiligenscheine oder Gewänder fesseln ihn, sondern das Detail am Saum: Ein kleiner Dämon lugt hervor, listig wie ein gezeichneter Scherz am Rand einer ernsten Szene.
Doch ikonografisch gesehen ist das kein Witz: die Dämonen zu ihren Füßen stehen sinnbildlich dafür, dass Antonia sie überwunden hat – die dunklen Mächte sind gebannt, klein und machtlos, weil sie standhaft blieb.
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Der Bär forscht nach:
Antonia war eine Dominikanerin aus Florenz im 15. Jahrhundert. Sie predigte streng, lebte in Buße und fastete hart. Ihre Legende erzählt, dass Dämonen sie bedrängten, an ihr zerrten, sie einschüchtern wollten. Doch Antonia blieb standhaft. Keine Versuchung, kein Dunkel bekam sie klein. Ihr Glaube war stärker als die Stimmen der Finsternis.
Faulmann nickt anerkennend – und stolpert dann über ein Datum: ihr Festtag ist der 4. Mai.
Der Bär hebt die Brauen: 4. Mai? May the Fourth be with you! Der internationale Star-Wars-Tag.
Wie wunderbar denkt Faulmann, denn Antonia passt wunderbar in eine Reihe mit den Skywalkers.
Und da merkt der Bär: Dieses Dreieck ist beinahe eine narrationschablone.
Faulmann denkt: So funktionieren Narrative, die überall ankommen (sollen). Sie sind einfach genug, dass jeder sie versteht, und universell genug, dass sie in jeder Zeit erzählt werden können – im Kino, im Kloster oder im Museumssaal. Antonia ist keine Heldin der Spektakel, sie ist die, die einfach nicht nachgibt. Und genau darin liegt ihre ganze Stärke. Ihr Narrativ ist das schlichteste und zugleich das Fundament: standhalten. Darauf bauen die anderen auf – Anakin als Fall, Luke als Rettung. Drei Varianten derselben Geschichte, von der Basis bis zur Steigerung.
Und Faulmann brummt, fast ehrfürchtig, halblaut in den Saal hinein:
„Die Macht … stark in ihr, sie ist.“
Dann kichert er:
„Vielleicht sollten wir sie ab sofort Antonia Skywalker nennen – die Ur-Ur-Ur-Ur-Großmutter der Jedi-Sippe. Wer weiß, ob nicht die halbe Saga auf einem vergessenen Altarbild in Köln basiert?“
Und fast wissenschaftlich fügt er hinzu:
„Die Kunsthistoriker haben das nur noch nicht entdeckt – vermutlich fehlt ihnen einfach ein Bär im Archiv.“
Später, in der Lobby des Museums mit Kaffee und Tablet bewaffnet, als der Regen draußen an die großzügigen Scheiben trommelt, lässt Faulmann die Bilder noch einmal Revue passieren.
Da war Sebastian, der Soldatenheilige, der sich mit Pfeilen spicken ließ und dennoch als Fürsprecher gegen die Pest galt – ein Märtyrer, der nicht nur stand, sondern auch tröstete.
Daneben Johannes, jung und bartlos, der den Giftkelch mit der Schlange segnete und überlebte, als wäre er selbst ein mittelalterlicher Cocktailtester mit göttlicher Sondergenehmigung.
Margareta von Antiochia, die vom Drachen verschlungen wurde und ihn doch besiegte.
Rochus, der Pilger mit dem entblößten Bein und der Pestwunde, begleitet vom treuen Hund, der wohl die eigentliche Heldengeschichte war (ohne Hund hätte das keiner überlebt, denkt der Bär).
Severin, der alte Bischof von Köln, mit Mitra und Krummstab, sogar mit blutiger Kopfwunde – fast so, als hätte man ihm gesagt: Mehr Drama, sonst glaubt dir das keiner.
Und Hippolytus, brutal an Pferde gebunden, geschleift und schließlich geköpft – ein drastisches Bild, das eher an ein mittelalterliches Actionpanel erinnert als an stille Frömmigkeit.
Antonia, deren Dämonen zu Füßen nicht von Ohnmacht, sondern vom Sieg über die Versuchung erzählen – winzige Monsterchen, die aussehen, als hätten sie beim Falschen angeklopft.
Georg, der Ritter, der mit Schwert und Pferd den Drachen niederstreckt, halb Legende, halb Nothelfer – und ganz sicher mit der größten Fanbase aller Ritterheiligen.
Thomas schließlich, der ungläubige Apostel, der mit forschendem Finger in Christi Seite langt – fast wie ein allzu neugieriger Chirurg, der sicher gehen will, ob die Naht auch hält.
Franz von Assisi, der die Stigmata vom Himmel empfängt, während Strahlen wie Drachenfäden in sein Fleisch hinabsausen – als hätte er beschlossen, das Kreuz wie einen Drachen steigen zu lassen, nur dass es ihn selbst an die Leine nahm.
Und schließlich Andreas, dessen schräges Kreuz seit Jahrhunderten nicht nur sehr britisch um die Welt segelt, sondern ihn auch zum wohl bekanntesten Bahnwächter aller Zeiten gemacht hat – Heilige Karriereplanung, wenn man so will.
All diese Figuren, denkt Faulmann, bilden keine stille Galerie, sondern eine bunte Gesellschaft: Ärzte gegen die Pest, Büßer und Asketen, Kämpfer gegen das Böse, Zeugen von Glauben und Zweifel. Ein Kosmos aus Blattgold und Blut, aus Dämonen, Wunden und Wunder, der den Menschen damals Orientierung gab – und den man heute fast wie eine Sammlung von Comicstrips lesen kann, die nur auf Holz gemalt statt auf Papier gedruckt sind.
Anakin, Luke, Antonia, dazu Sebastian, Rochus, Severin und all die anderen. Jeder bringt ein einfaches, universelles Motiv mit – Fallen, Ringen, Standhalten, Heilen, Kämpfen, Zweifeln. Faulmann versteht: Große Geschichten funktionieren nur, wenn sie überall gelesen werden können. Ob auf Pergament, Leinwand oder Kinoleinwand – entscheidend ist, dass ihr Kern schlicht bleibt.
„Vielleicht tragen wir alle nur Variationen derselben Geschichte weiter – mal mit Heiligenschein, mal mit Lichtschwert.“
Auf der Lichtung
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Die Nacht senkte sich wie ein Tuch über den Wald. Harzgeruch hing in der Luft, und das Feuer roch nach Asche und Kiefernnadeln. Faulmann lag ausgestreckt im Gras der Lichtung. Die Glut glomm rötlich, Funken stiegen auf, als wollten sie in die Sterne fliehen. Halb träumend, halb denkend blinzelte der Bär in die Dämmerung.
Da knackte ein Ast. Leise, fast zögerlich, trat Liora, die Füchsin, hervor. Sie war nicht fremd hier. Mehr als einmal hatte Faulmann sie schon gesehen, immer aus der Ferne, immer auf Abstand.
„Guten Abend, Liora“, brummte er, kaum den Kopf hebend. Seine Stimme trug diesen respektvollen Ton, den er sonst nur für die Alten im Wald hatte.
Die Füchsin blieb stehen. Ihr Schweif bewegte sich langsam wie eine lose Flamme im Wind. Scheu, doch nicht flüchtig. Faulmann machte keine Bewegung, um ihr näherzukommen. Er ließ die Stille stehen, wie ein offenes Tor.
Und dann geschah es: Ihre Blicke trafen sich. Nicht absichtlich, nicht gesucht – eher wie zwei Strahlen, die denselben Punkt berühren. Ein Schauer lief Faulmann über den Rücken. In Lioras Augen lag kein Angriff, keine Zärtlichkeit – sondern etwas dazwischen. Ein Spiegel. Und in diesem Spiegel blitzte eine Ahnung auf, schwer wie Rauch: die Angst, dass man nichts tut.
Vor seinem inneren Auge erhob sich eine Szene, flackernd wie Schatten im Feuer:
Dachsbert trat auf die Lichtung, ließ sich nieder und sagte:
„Faulmann, es wird Zeit, dass man endlich etwas gegen diesen ganzen Machtunsinn tut.“
Da richtete sich der Bär auf, brummte:
„Du … und welche Armee, Dachs? Mit den Hasenfüßen vielleicht – die sich im vorauseilendem Gehorsam gebückt haben, nur damit ja nichts aufs Spiel kommt? Mit denen, die groß brüllten freedom isn’t free – und dann war selbst der kleinste Preis zu groß? Dass ich nicht lache.“
Dann kam Mummrich aus dem Schatten, fragte: „Um was geht es denn hier?“ – und Faulmann erklärte ihm alles.
Mummrich sog an seiner Pfeife und sprach:
„Viele Jahre haben alle gelernt, dass man vor den kleinen Wirrköpfen nachgeben darf – solange jemand, den wir nicht kannten, die Rechnung dafür bekam. Solange es uns gerade bequem war, à la mode. Da wird jetzt kaum Widerstand erwachsen, wenn es sogar mühselig und teuer wäre.“
Faulmann wiegte den Kopf hin und her, brummte:
„Ach, so schlimm wird’s schon nicht werden … Sturm im Wasserglas.“
Und Dachsbert murmelte nur:
„Hm … wenn ihr meint?“
Dann zerbrach der Spiegel. Liora blinzelte, wandte den Kopf zur Seite und verschwand im Gebüsch.
Faulmann atmete tief durch.
Da knackte es im Unterholz – diesmal wirklich. Mit schwerem Schritt trat Dachsbert auf die Lichtung, schnaubend, als hätte er den ganzen Hang umgepflügt. Er ließ sich neben dem Feuer nieder, klopfte die Erde aus seinem Fell und sagte:
„Faulmann, es wird Zeit, dass man endlich etwas gegen diesen ganzen Machtunsinn tut.“
Der Bär schwieg einen Augenblick, sah das Feuer an, dann legte er Dachsbert die schwere Pranke auf die Schulter.
„Weißt du,“ brummte er, „wo Dachse mutig werden können … da dürfen Bären nicht nichts tun.“
Da trat auch Mummrich aus dem Schatten, die Grubenlampe in der einen, die Pfeife in der anderen Pfote.
„Um was geht es denn hier überhaupt?“ fragte er, mit seiner ruhigen, etwas müden Stimme.
Faulmann nickte in Richtung Dachsbert. Der Dachs räusperte sich, beschämt, aber mit einem Rest von Mut, und wiederholte, was er eben gesagt hatte.
Mummrich hörte schweigend zu, sog an seiner Pfeife und sprach dann mit der Gelassenheit alter Weisheit:
„Dann sei’s so … selbst ein Blinder riecht es, wenn jemand Feuer an die Grundmauern legt – und drei Mann und ein Licht sind zwar noch kein Ozean, aber immerhin schon mehr als ein Rinnsal.“
Das Feuer knackte zustimmend. Und aus dem Dunkel des Waldes kam ein leises Rascheln – als habe jemand gelauscht, der lieber unsichtbar blieb.
Captain Faulmann zwischen Elefanten, Ursula und alten Meistern
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Mit dem Rad rollte Captain Faulmann am Morgen durch Köln, vorbei an Straßenverkehr und Morgengeräuschen. Das Ziel war der Zoo, seit kurzem wieder ein beliebter Frühstücksort für ihn. Kurz nach neun stapfte er durch den Nebeneingang – den kennt er, und dort ist es ruhiger. Im Rucksack knisterte ein Croissant, das er bei den Elefanten zusammen mit dampfendem Kaffee auspackte. Nach einer Weile in der Sonne, die ihm die morgendliche Kühle aus dem Fell bannte, und einem Spaziergang vorbei an Pinguin, Nashorn und Nilpferd ging es weiter: wieder aufs Rad, hinüber zum Wallraf-Richartz-Museum.
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Faulmann hatte sich vorgenommen, nicht gleich das ganze Museum in einem Schwung zu betrachten. Schon aus der Erfahrung der Vorwoche im Schnütgen wusste er, wie dicht und fordernd die mittelalterliche Kunst sein konnte. Und so bot sich der Mittelalter-Teil des Wallraf nicht nur wegen der chronologischen Ordnung an, sondern auch, weil er die Brücke zu jener Erinnerung schlug.
Am längsten blieb er dennoch vor den Ursula-Bildern stehen – einer heiligen Legende, die, wie man ihm verschwörerisch zuflüstern möchte, eigentlich jeder Kölner kennen sollte. Die Tafeln erzählten von der sozusagen kleinen Bärin Ursula, einer Königstochter aus Britannien, die sich in puncto Ehe nicht lumpen ließ: Bräutigam ja – aber bitte erst nach Taufe, und vorher eine kleine Pilgerfahrt mit Gefährtinnen. Elf an der Zahl – inklusive Ursula. Damit war die Truppe streng genommen so etwas wie die erste Damenmannschaft des 1. FC Köln: gut aufgestellt, international unterwegs und mit klarer Spielordnung. Dass daraus später „elftausend“ wurden, war dann wohl der erste kölsche Karnevalswitz in lateinischer Kurzschrift („XI M“).
Schon unterwegs, so munkeln die gelehrteren Fassungen, habe Ursula geahnt, dass das alles kein Junggesellinnenabschied mit Heimkehr werden würde, sondern ein direkter Weg ins Martyrium. Ein göttlicher Traum, ein Wink mit dem Schicksalsfahnenmast – und schon war klar: Rom ist nur Zwischenstation, Köln das Finale.
Vor den Toren eben dieser Stadt standen dann die Hunnen. Mal heißt es, Attila selbst habe sein Herz an Ursula verloren, mal war es nur sein Sohn. In jedem Fall: schlechte Partie. Ursula blieb standhaft, worauf die Hunnen kurzerhand die gesamte Schar niedermachten. Ursula bekam den Pfeil, Cordula die Nachspielzeit: Erst versteckte sie sich vor Angst, dann erschien ihr ein Engel, und am nächsten Morgen trat sie selbst an – und wurde prompt ebenfalls zur Märtyrerin.
Warum die Hunnen danach die Belagerung abbrachen? Nun, die Quellen sind sich uneins. Manche sagen: aus Ehrfurcht. Andere: wegen göttlicher Strafe. Wieder andere: weil sie schlicht genug Blut vergossen hatten. Man könnte auch sagen: Köln war ihnen einfach zu anstrengend.
So wurde Ursula die Stadtpatronin von Köln, woran nicht nur das Kölner Stadtwappen erinnert, sondern auch die St.-Ursula-Kathedrale, wo noch heute die angeblichen Gebeine lagern.
Da stand Faulmann nun, mitten in Köln, und musste sich ein wenig verlegen am Kopf kratzen: All das war ihm bislang kaum bekannt – und das nach fast sieben Jahren in dieser Stadt. Ausgerechnet ihm, der doch, streng genommen, von den Ursulinen „abstammt“. Denn Ursula heißt seine Großmutter, und es ist der zweite Vorname seiner Mutter. Ein bisschen peinlich vielleicht, aber umso schöner, diese Geschichte nun in einem Museum wiederzufinden – Kunst soll ja etwas mit einem machen. Nennen wir es einen Erfolg…
Neben den Ursula-Tafeln gab es dort noch vieles mehr zu sehen: Sebastian, der nicht tot zu bekommen war, Magdalena, die Engel täglich in die Lüfte trugen, und Hiob, dem Dürer selbst in der Gestalt eines Trommlers Trost spenden wollte. Auch die „Muttergottes in der Rosenlaube“ von Stefan Lochner leuchtete in sattem Rot und Blau – ein Bild, das schon Dürer eigens hatte aufschließen lassen. All das war nicht nur Kunstgeschichte, sondern wirkte wie eine Folge kleiner Begegnungen – und einmal mehr die Einsicht, dass das Mittelalter eine recht düstere Kunst hervorgebracht hat, die trotzdem voller Licht und Farben ist.
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So verschmolzen an diesem Tag Croissant und Kaffee bei den Elefanten, Radrouten durch die Stadt und ein Museum voller Heiligenbilder zu einer kleinen Offenbarung: dass manchmal selbst die eigene Herkunft wie eine Ausstellung ist – man muss nur den richtigen Saal betreten.
Einen kleinen Espresso gab’s danach noch im Museumscafé, doch für eine Portion frittierte Kartoffeln war Faulmann die Stadt dann zu voll – vielleicht auch, weil er sich dachte: Wenn Ursula schon Attila abwies, kann er wohl auch mal die Frittenbude meiden.